Sexuelle Grenzverletzung - Was ist das?

Da wo die entwicklungspsychologisch natürlichen "Doktorspiele" enden, beginnt die sexuelle Grenzverletzung, der Missbrauch!

Sexuelle Grenzverletzung beginnt da, wo keine Einigkeit über Neigung, Erwartung und Bedürfnisbefriedigung gegeben ist. Ohne die ausdrückliche Zustimmung des Gegenübers ist die Grenze schon überschritten.
Schweigen ist dabei kein Indikator für Zustimmung, denn allein Körpersprache kann so gewalttätig und bedrohlich wirken, dass das Opfer sprachlos wird und nicht mehr in der Lage ist, explizit ein NEIN zu äußern. Das heißt, dass auch das Verhalten des Gegenübers eine eindeutige "Sprache" der Zustimmung durch Erwiederung der sexuellen Begehrlichkeiten sprechen muss.

Die Fachliteratur spricht bei Täterstrategien vom Grooming-Prozess, engl., wörtlich übersetzt "pflegen", "vorbereiten".Er bezieht sich, nach Ruud Bullens, bei Erwachsenen auf die Planungsphase des sexuellen Missbrauchs:

  • Vertrauen gewinnen
  • Bevorzugung des Kindes
  • Isolierung des Kindes
  • Bewirken von Geheimhaltung
  • schrittweise Grenzüberschreitung

Bei Jugendlichen spricht man auch von grooming-Strategien, wobei nicht zwangsläufig eine der folgenden Verhaltensweisen ein sicherer Indikator für sexuellen Missbrauch sein muss. Gleichwohl gilt es u.a. aufmerksam zu werden bei:

sexualisierter Sprache
- abfälliges Reden, Witze sexueller Natur, spricht über "Schlampen und Huren", ausschweifiges Vokabular über "Geschlechtsverkehr"...

sexualisiertem Verhalten
- sucht die Nähe von Mitmenschen, zufälliges Berühren Anderer an Geschlechtsteilen, Po.
- beischlafähnlichen Beckenbewegungen in der Öffentlichkeit
- starkes Kuschelbedürfnis...

vermehrten Heimlichtuereien
- Schweigen, Geheimnisse

Respektlosigkeit vor körperlichen Grenzen Anderer
- häufiges Drängeln, Schubsen, an den Haaren Anderer ziehen
- "Spassprügeleien"
- gewaltverherrlichendes und imposantes Auftreten
- offene Gewalt
- Tierquälerei...

unterwürfigem Verhalten
- besonders hilfsbereit,
- besonders schmeichelhaft,
- besonders bereitwillig zu sein...

Sexualisiertes Verhalten/Sprache
- auffällige, abweichende Sprache mit obszönen, aggressiven, oder beleidigenden Inhalten

Voyeurismus
 - heimliches Beobachten von Menschen mit sexuellen Tätigkeiten

Exhibitionismus
- Masturbation oder Entblößen der Geschlechtsteile vor Mitmenschen

Frotteurismus
- Reibung, Berührung und Onanie am Körper eines Anderen

Fetischismus
- sexuelle Stimulation mit Gebrauch von Objekten, wie Unterwäsche, Schuhen etc.

sexuelle Manipulation
- ausgiebige Masturbation
- Manipulation der Geschlechtsteile des Anderen
- Erzwungene Manipulation am eigenen Geschlechtsteil
- Eindringung in Vagina/After mit Objekten, Fingern

sexueller Missbrauch
-erzwungender oraler, vaginaler oder analer Verkehr mit vorherigem Beziehungsaufbau,
Zusagen von Geschenken, Bedrohung, Erpressung

Vergewaltigung
- erzwungener oraler, vaginaler oder analer Verkehr ohne Beziehungsaufbau
- findet in der Regel überfallsartig unter Anwendung von Gewalt, durch Drohung mit   gegenwärtiger Gefahr für Leib oder Leben statt. Dabei ist es strafrechtlich irrelevant, ob der Täter das Opfer penetriert oder gewaltsam selbst das Opfer oral stimuliert.

Pädophilie/Pädosexualität
- ICD 10, 65.4, DSM-IV, 302.2
-  primäres sexuelles Interesse an Personen vor der Pubertät
- Altersunterschied zwischen Täter und Opfer mindestens 5 Jahre

Sodomie
 - sexuelle Aktivitäten mit Tieren


Quellenangaben
Bullens, Ruud: Der Grooming-Prozess – oder das Planen des Missbrauchs. In : Marquardt-Mau, Brunhilde (Hg.): Schulische Prävention gegen sexuelle Kindesmisshandlung. München: Juventa 1995 (S. 55ff.)

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